2 Strategische Fragestellung & Hypothesen-Backlog
Das Herzstück. Statt Risiken zu managen, werden hier Annahmen getestet. Status:
offen→in Prüfung→gestützt/verworfen/differenziert.
Teilfragen zur Leitfrage
- Welche Form (prinzipienbasiert / regelbasiert / hybrid) ist am tragfähigsten?
- Was stärkt bzw. gefährdet Publikumsvertrauen tatsächlich?
- Welche Leitplanken halten dem regulatorischen Wandel stand?
- Wo entscheidet der Mensch, wo darf die Maschine assistieren?
- Wie sichern wir Anbieter-Kontinuität & Resilienz gegen Verfügbarkeits-Schocks (Single-Vendor-Risiko)?
- Wie zahlt KI auf die Unternehmensziele und den etablierten Wertekompass ein?
| ID | Hypothese | Annahme dahinter | Testidee | Status | Evidenz |
|---|---|---|---|---|---|
| H1 | Transparente Kennzeichnung stärkt Vertrauen stärker, als sie es gefährdet | Publikum honoriert Offenheit | Literatur-Review plus kleiner Wahrnehmungstest | in Prüfung | Social/Legal: Publikumsvertrauen, Kennzeichnungspflicht, 🔴 hoch. A-06: Kein Haus kennzeichnet undifferenziert, WELT kennzeichnet assistive Texte bewusst nicht. H1 trägt nur als „differenzierte, schwellengebundene Kennzeichnung"; die 4 realen Schwellen-Logiken (Madsack: Rolle / ZDF: Realitätsanmutung / bpb: Erstellungsanteil / WELT: Verbot) sind in P-01/P-03 gegeneinander testbar. VITraDes (BMFTR, 2026 bis 2029) setzt H1 voraus, statt sie zu prüfen; ein Publikumsdesign ist nicht ausgewiesen |
| H2 | „Schatten-KI" ist bereits verbreitet; reine Verbote ohne erlaubte Alternativen scheitern | Nutzung folgt Praktikabilität | Anonyme Ist-Erhebung: Anwenderrecherche (10 Interviews plus MS-Forms-Umfrage) / Benchmark | offen | – |
| H3 | Eine prinzipienbasierte Richtlinie ist robuster als ein Detail-Verbotskatalog | Technik veraltet schneller als Prinzipien | Benchmark plus Optionsbewertung | in Prüfung | Tech: sehr kurze Halbwertszeit des „besten" Modells, 🔴 hoch. A-06: Beide Ränder sind empirisch belegt. Prinzip ohne Schwelle verpufft („nach transparenten Regeln", die nirgends stehen), Praxis ohne Prinzip altert. Tragfähig ist ein wirkungsbezogener Auslöser (ZDF: „kann als Abbild der Realität verstanden werden") plus die Art.-50-Auslöserliste |
| H4 | Die Nachweisbarkeit menschlicher Verifikation ist der wirksamste Einzelhebel gegen Fehlinformation | Der Schaden entsteht bei der nicht belegbaren Prüfung. Eine fehlende Regel ist selten die Ursache | Fallanalyse publizierter KI-Fehler | in Prüfung | Social: Redaktionskontrolle → „Mensch entscheidet". A-06 schärft H4: Beim Tagesspiegel (06/2026) existierte die Norm, der Chefredakteur beruft sich ausdrücklich auf sie; versagt hat die Durchsetzung, über Wochen, auf Senior-Ebene. Der Benchmark passt dazu: 84 % behaupten Kontrolle, 0 von 19 dokumentieren sie. Auch Madsack, das einzige Haus mit ausdrücklichem Vier-Augen-Prinzip, verlangt keinen Nachweis. Der Befund steht damit gegen das stärkste Dokument des Felds |
| H5 | Frühe Betriebsrats-Einbindung beschleunigt das Projekt, statt es zu verzögern | Mitbestimmung wirkt als Beschleuniger und nicht als Hemmnis | Benchmark vergleichbarer Häuser | in Prüfung | A-06: 3 von 13 Regelwerken erwähnen Mitbestimmung, meist als Rechtswahrungszusage ohne Verfahren. Madsack nennt als einziges die Rechtsgrundlage („Informations- und Mitbestimmungsrechte entsprechend BetrVG"), Axel Springer die „Beteiligungsrechte der Arbeitnehmervertretungen". Nur FUNKE baut ein Verfahren: ein paritätisch besetztes KI-Ethik-Forum. Das ergibt keinen Beleg für „Beschleuniger": Die 3 Häuser mit Mitbestimmung sind zugleich die 3 mit benannter Governance, also eine Korrelation bei n=3. Der Benchmark kann H5 nicht entscheiden |
| H6 | Single-Vendor für Frontier-KI ist für ein nicht-US-Medienhaus ein Kontinuitätsrisiko; eine Multi-Modell-/Fallback-Architektur ist robuster | Verfügbarkeit eines Anbieters kann über Nacht entfallen | PESTEL/SWOT plus Optionsbewertung plus Benchmark Anbieter-Diversifikation | in Prüfung | Anlassfall Fable 5/Mythos 5 (Export-Control-Abschaltung); vor Sparring verifizieren. A-06: 0 von 19 Häusern adressieren Anbieter-Kontinuität überhaupt |
| H7 | Eine KI-Strategie, die sichtbar auf Unternehmensziele und den etablierten Wertekompass einzahlt, stärkt langfristig Geschäftsziele & Werte und trägt so Akzeptanz & Legitimität | KI-Governance zahlt auf die Unternehmensziele ein (bidirektional zum Wertekompass) und bleibt Mittel zum Unternehmenszweck | Alignment-Mapping KI-Prinzipien ↔ Wertekompass/Ziele plus Champion-Feedback | offen | Coaching 03.07.2026 (Wertekompass etabliert, „KI muss Einfluss finden", bidirektional). A-06: drei übertragbare Muster (KI-Kodex „nicht zum Selbstzweck", bpb kehrt die Beweislast um, gofeminin formuliert einen Vorbehalt) |
Jeder Eintrag im Research-Log verweist auf eine Hypothese hier zurück; gestützte/verworfene Hypothesen erzeugen einen Impuls im Impuls-Log.