Didaktisches Rahmenkonzept: KI-Kompetenzschulung

Zweck: Ein didaktisches Gerüst für die KI-Kompetenzschulung (zweiter Kern der Lösung neben der Richtlinie, → Meilenstein M2, 18.08.2026). Es übersetzt die Impulse aus dem 1:1-Coaching (03.07.2026), namentlich CORE-Kompetenzfelder, Constructive Alignment, Feedback-/Performancenetz und Motivation, in einen tragfähigen Rahmen.

1 Warum Didaktik, und warum jetzt

Kompetenz ist kein Kür-Thema: Der EU AI Act (Art. 4, seit 02.02.2025) verlangt ein „ausreichendes Maß an KI-Kompetenz" des Personals. Die Schulung ist damit mehr als Beiwerk der Richtlinie: das Vehikel, das ihre Prinzipien in gelebte Praxis überträgt. Jede Hypothese wird erst über Kompetenz wirksam.

Der Coaching-Impuls verschiebt den Fokus von „Tool bedienen" zu einem sauberen didaktischen Rahmen: klare Lernziele, passende Lehrformen, ein nachvollziehbarer Kompetenz-Nachweis und ein Format, das langfristig trägt. Dieses Dokument ist die Ausarbeitung, als Vorschlag zur gemeinsamen Abstimmung.

2 Zwei Achsen: das Was und das Wie

Die Schulung hat zwei orthogonale Achsen. Das Was (Inhaltsdomänen) ist bereits in der Synthese-Folie angelegt (A–D); das Wie (Kompetenzarten) kommt aus dem Coaching als CORE-Logik (Hintergrund mit Praxis verbinden).

Das Was (vier Inhaltsdomänen): A Regulatorisch, B Journalistisch-methodisch, C Organisatorisch-prozessual, D Haltung & Kultur.

Das Wie (vier Kompetenzarten, CORE):

Kompetenzart Im KI-Kontext (Beispiele) Bezug
Fachkompetenz Regularien (AI Act Art. 4/50, DSGVO, UrhG), Kennzeichnungs­entscheidung, Werkzeug-/Prompt-Kunde H1 (Kennzeichnung), H3 (Prinzipien)
Methodenkompetenz Verifikation: Fehler erkennen, gegenprüfen, freigeben; iteratives Dazulernen H4 (Verifikation)
Selbstkompetenz Urteil „erheblicher Einfluss?", eigenverantwortlicher Umgang, Deskilling-Bewusstsein H3 (Prinzipien), H4 (Verifikation)
Sozialkompetenz Zusammenarbeit im Team & mit KI, Transparenz gegenüber Publikum, Champions als Peer-Multiplikatoren H1 (Kennzeichnung), Stakeholder-Landkarte

Kernpunkt: Fachwissen allein trägt nicht. Der wirksame Teil liegt in Methode (Verifikation, → H4) und Haltung (Urteil statt Checkliste, → H3). Die CORE-Achse stellt sicher, dass die Schulung alle vier adressiert, nicht nur das leicht Prüfbare.

3 Constructive Alignment: der didaktische Rückhalt

Leitprinzip aus dem Coaching: das Lernziel klar vor Augen, und Lehrform sowie Kompetenz-Nachweis konsequent darauf ausrichten („methodisch anpassen"). Ziel ↔ Form ↔ Nachweis müssen zusammenpassen; sonst wird Haltung gepredigt und Faktenwissen geprüft.

Vorschlag: ein Fünf-Phasen-Bogen (Coaching: „5 Phasen · Updates fahren"). Jede Phase mit einem dominanten Lernziel, passender Form und sichtbarem Nachweis:

Phase Lernziel (Fokus) Lehrform Nachweis
1 Orientieren Warum: Relevanz, Bezug zu Unternehmenszielen & Wertekompass (H7) Impuls, Kick-off Selbsteinschätzung (Ausgangspunkt)
2 Verstehen Fach: Regularien, Prinzipien, Auslöser-Logik (A/B) Kurzinput + Beispiele Kurz-Quiz / Auslöser erkennen
3 Anwenden Methode: Verifikation & Kennzeichnung an echten Fällen (H4/H1) Übung an Realfällen bearbeiteter Fall, begründete Entscheidung
4 Verankern Selbst/Sozial: erlaubte Tools, Haltung, Team-Praxis (H2 (erlaubte Alternativen)) Peer-Austausch, Champions Team-Vereinbarung / Praxis-Transfer
5 Aktualisieren Am Ball bleiben: Recht bewegt sich, Modelle veralten (H3/H6) Lunch-&-Learn, Update-Impulse wiederkehrende Auffrischung

Die Phasen 1–4 sind der Aufbau, Phase 5 ist der Dauerbetrieb: KI-Recht (Digital Omnibus) und Modell-Landschaft ändern sich; die Kompetenz muss nachgeführt werden, nicht einmal vermittelt. Das ist der „Updates fahren"-Teil.

4 Feedback- & Performancenetz

Feedback ist ein etablierter Kanal, im Training und darüber hinaus. Der Lern- und Umsetzungserfolg wird entlang drei Achsen sichtbar (das „Netz"):

Achse Frage Beispiel-Ausprägung
Scope Wo im Haus? Redaktionen (Kern) ↔ Verwaltung (Addon); je Aufgabenbereich
Zeit / Intervall Wann & wie oft? Ausgangswert → nach Anwendung → periodische Auffrischung
Tiefe Wie tief sitzt die Kompetenz? Kennen → Anwenden → Urteilen (Fach → Methode → Selbst)

Über diese drei Achsen spannt sich ein Kompetenz-/Performancenetz, das zeigt, wo welche Kompetenz wie tief über die Zeit wächst, als Grundlage für gezielte Auffrischung, nicht als Kontrollinstrument.

Datenschutz-Leitplanke (offen, bewusst nicht entschieden): Ob und wie individueller Lern-/Nutzungsfortschritt erfasst wird („Tracking ja/nein?"), berührt Mitbestimmung und DSGVO → mit Betriebsrat & Datenschutz klären (Stakeholder-Landkarte). Empfehlung als Impuls: das Netz aggregiert / auf Kompetenz-Ebene führen, nicht als personenscharfe Leistungsüberwachung.

5 Motivation & Anerkennung

Kompetenz hält nur, wenn die Beschäftigung mit dem Thema fortwährend bleibt. Der Coaching-Impuls: kleine, wiederkehrende Anreize statt einmaliger Pflichttermin.

  • Kleine Aufgaben (Nudging): regelmäßige Mikro-Impulse halten das Thema präsent; koppelt an HR/Onboarding (KI-Erfahrung ab Einstellung).
  • Anerkennung: Zertifikate / kleine Gimmicks als sichtbares Signal für erreichte Kompetenzstufen.
  • Langfristig denken, der stärkste Anreiz ist die Relevanz selbst: spürbar bessere, sicherere Arbeit. Anerkennung verstärkt, ersetzt sie aber nicht.

Leitplanke: Anreize sollen intrinsische Relevanz stützen (Kompetenz als Wert), nicht in Überwachung kippen. Zertifikate belohnen Können, nicht bloße Aktivität.

6 Anschluss & nächste Schritte

  • Speist M2 (18.08.2026, erste Entwürfe Richtlinie + Kompetenzschulung): Die Kompetenzfelder A–D × CORE und der Fünf-Phasen-Bogen sind das Lernziel-Gerüst.
  • Fokus zuerst Redaktionen, Verwaltung als Addon.
  • Beteiligendes Format, nicht Verordnung (H5): Champions und Peer-Austausch tragen die Schulung in die Fläche (Stakeholder-Landkarte).

Offene Fragen (zur Abstimmung mit dem Haus):

  1. Tracking-Tiefe & Datenschutz: individuell vs. aggregiert (Betriebsrat/Datenschutz)?
  2. Umfang von Phase 5 (Dauerbetrieb): wer trägt die Auffrischung nach M4?
  3. Anerkennungs-Mechanik: Zertifikate hausintern oder mit externer Referenz?

Rolle: Dieses Konzept ist Analyse & Impuls. Die Ausgestaltung, Auswahl und Durchführung der Schulung bleibt bei der Mediengruppe Mitteldeutschland.