Fellowship-Arbeitsraum: KI-Richtlinie als Use Case


Abgrenzung: Was gehört wem?

Operatives Projekt (Mediengruppe Mitteldeutschland) Fellowship-Arbeitsraum – Fellow
Project Charter, Projektleitung, Außenkommunikation Eigenes Mandat & Forschungsfrage (Fellowship-Charter)
Stakeholder-Steuerung Stakeholder als Analyseobjekt / Evidenzquelle
Risk Backlog & Maßnahmensteuerung Risiken als Hypothesen (Relevanz wird geprüft)
Phasenplan, Delivery, Rollout, Schulung Prototypen & Tests entlang der Hypothesen
Entscheidungs-Log (entscheidet) Impuls- & Empfehlungs-Log (liefert Impulse)
Redaktion der finalen Richtlinie Optionsbewertung & strategische Schritte (berät)

Die operativen Artefakte (Charter, Stakeholder-Board, Risk Backlog, Phasenplan, Entscheidungs-Log) leben im Projekt-Space der Mediengruppe Mitteldeutschland und werden hier nur als Input verlinkt, nicht gepflegt.


1. Fellowship-Charter

Feld Inhalt
Rolle Fellow – unabhängige Außenperspektive, Analyse & Prototyping
Aufwand ≈ 10-15 h/Woche, eigenständig, asynchron
Use Case Entwurf einer KI-Richtlinie für die Mediengruppe Mitteldeutschland (MM)
Sparring-Partnerin Anja Guse, Führungskraft der MM mit pädagogischem Hintergrund und weitgehend freier Hand für das Projekt; fester wöchentlicher Check-in
Laufzeit 24.06.2026 – 20.10.2026 (entlang der Projektlaufzeit: M0 26.06. → M4 20.10.2026)

Strategische Leitfrage Wie kann ein Medienhaus KI verantwortungsvoll einsetzen, ohne journalistische Integrität und Publikumsvertrauen zu gefährden – und welche Form von Richtlinie ist dafür tragfähig und zukunftsfest?

Was die Fellowship liefert

  • Hypothesen zur strategischen Frage und deren Prüfung
  • Eigenständige Analysen, Forschung, Benchmarks
  • Prototypen & Tests (z. B. Kennzeichnungsschema, Entscheidungsbäume)
  • Impulse und Optionsbewertungen als Input für Entscheidungen
  • Strukturierte Erkenntnisse, übertragbar über den Einzelfall hinaus

Was die Fellowship ausdrücklich nicht tut

  • Keine Projektleitung, keine Stakeholder-Steuerung, keine Außenkommunikation
  • Keine Redaktion/Verantwortung für die finale Richtlinie
  • Kein Rollout, keine Schulung, keine operativen oder dienstleistenden Aufgaben

Eigener Erkenntnisgewinn (Kern der Fellowship) → fortlaufend dokumentiert.

Unabhängigkeit & Fortführung Der Arbeitsraum ist so angelegt, dass Forschung, Hypothesen, Prototypen und Erkenntnisse auch ohne aktive Kooperation des Medienhauses fortgeführt werden können; der Use Case wird dann generalisiert/anonymisiert weiterbearbeitet.


2. Strategische Fragestellung & Hypothesen-Backlog

Das Herzstück. Statt Risiken zu managen, werden hier Annahmen getestet. Status: offenin Prüfunggestützt / verworfen / differenziert.

Teilfragen zur Leitfrage

  1. Welche Form (prinzipienbasiert / regelbasiert / hybrid) ist am tragfähigsten?
  2. Was stärkt bzw. gefährdet Publikumsvertrauen tatsächlich?
  3. Welche Leitplanken halten dem regulatorischen Wandel stand?
  4. Wo entscheidet der Mensch, wo darf die Maschine assistieren?
  5. Wie sichern wir Anbieter-Kontinuität & Resilienz gegen Verfügbarkeits-Schocks (Single-Vendor-Risiko)?
  6. Wie zahlt KI auf die Unternehmensziele und den etablierten Wertekompass ein?
ID Hypothese Annahme dahinter Testidee Status Evidenz Abgeleiteter Impuls
H1 Transparente Kennzeichnung stärkt Vertrauen stärker, als sie es gefährdet Publikum honoriert Offenheit Literatur-Review + kleiner Wahrnehmungstest (Prototyp P-03) in Prüfung A-06 (Branchenpraxis der Kennzeichnung) → I-…
H2 „Schatten-KI" ist bereits verbreitet; reine Verbote ohne erlaubte Alternativen scheitern Nutzung folgt Praktikabilität Anonyme Ist-Erhebung / Benchmark offen → I-…
H3 Eine prinzipienbasierte Richtlinie ist robuster als ein Detail-Verbotskatalog Technik veraltet schneller als Prinzipien Benchmark + Optionsbewertung (Seite 6) in Prüfung A-06 (Benchmark, 22 Häuser) → I-…
H4 Verpflichtende menschliche Verifikation ist der wirksamste Einzelhebel gegen Fehlinformation Hauptschaden entsteht bei ungeprüfter Publikation Fallanalyse publizierter KI-Fehler in Prüfung A-06 (I1: 1 von 22 mit Prüfspur, 0 dokumentieren) → I-…
H5 Frühe Betriebsrats-Einbindung beschleunigt das Projekt, statt es zu verzögern Mitbestimmung als Beschleuniger, nicht als Hemmnis Benchmark vergleichbarer Häuser offen → I-…
H6 Single-Vendor für Frontier-KI ist ein Kontinuitätsrisiko; eine Multi-Modell-/Fallback-Architektur ist robuster Verfügbarkeit eines Anbieters kann über Nacht entfallen PESTEL/SWOT (Seite 3a) + Optionsbewertung (Seite 6) in Prüfung Fall Fable 5/Mythos 5 → I-02
H7 Eine KI-Strategie, die sichtbar auf Unternehmensziele & Wertekompass einzahlt, stärkt langfristig Geschäftsziele & Werte KI-Governance zahlt auf die Unternehmensziele ein, nicht Selbstzweck Alignment-Mapping KI-Prinzipien ↔ Wertekompass + Champion-Feedback (Seite 3b) offen Coaching 03.07.2026 → I-…

3. Research- & Analyse-Log

Eigenständige Analysen & Forschung. Append-only. Jeder Eintrag verweist zurück auf eine Hypothese (Seite 2).

ID Datum Fragestellung Methode Quellen Kernergebnis Implikation
A-01 01.07.2026 Wie regeln vergleichbare Medienhäuser KI? (Benchmark, erste Sichtung) Desk Research Nordic/Utgivarna 2024, Quellenliste der Partner-Recherche Prinzipienbasiert; „mit Unterstützung von…"; keine KI-Icons; iterativ zu behandeln → H1 / H3
A-02 02.07.2026 Welche Kennzeichnungspflichten ergeben sich regulatorisch (EU AI Act, insb. Art. 50)? Desk Research / Recht Research/ (EU AI Act, Nordic/Utgivarna 2024, Synthese) Art. 50 ab 02.08.2026; redaktionelle Verantwortung (Recital 134/Art. 50(4)) befreit von Deepfake-/Public-Interest-Offenlegung, deckt sich mit Branchengrundsatz; prinzipienbasiert + Auslöser-Liste empfohlen → H1 / H3
A-03 geplant, bis 24.07.2026 Ist-Nutzung von KI im Haus (anonymisiert), Anwenderrecherche 10 Interviews + MS-Forms-Umfrage intern (Instrumente im Entwurf) → H2 (auch H1/H4)
A-04 01.07.2026 Umfeld- & Standortanalyse zur KI-Richtlinie PESTEL / SWOT / TOWS Seite 3a Top-Treiber Anbieter-Kontinuität & Transparenz; Hypothese H6 abgeleitet → H1/H3/H4/H6
A-05 03.07.2026 Systemische Aufstellung im Akteursfeld (Zuarbeit / Impuls / Kommunikation / Entscheidung) Stakeholder-Mapping (Seite 3b) Coaching 03.07.2026 Vier Aspekt-Achsen; Champions & HR/Onboarding neu; Wertekompass↔KI → H7 → H5/H7
A-06 15.07.2026 Wie regeln deutsche Medienhäuser KI konkret, und welches Achsenraster macht das sichtbar? Content-Analyse (34 geprüft, 25 kodiert; E/I/N-Raster; 22 Medien + 3 Vergleichsfeld; 176 Belege) Research/ki-richtlinien-benchmark.md 20 von 22 regeln außen strenger als innen (Mittel 1,73 zu 0,97); nur 1 von 22 mit Prüfspur, 0 dokumentieren; 18 % und 0 von 15 machen Schulung zur Vorbedingung; 14 von 22 ohne namentlich benannte Norm; alle drei Flags 0 von 22; Madsack führt das Feld → H1/H3/H4/H5/H7; Impuls I-06

4. Prototypen, Tests & Experimente

Prototypische Entwicklungen als Erkenntnismittel – nicht als fertige Lieferobjekte fürs Haus.

ID Prototyp Hypothese Aufbau Ergebnis / Lernen Reifegrad
P-01 Kennzeichnungs-Schema (Varianten A/B/C) H1 Mock-ups dreier Transparenzgrade Entwurf
P-02 Entscheidungsbaum „Darf ich dieses KI-Tool nutzen?" H2 Interaktiver Flow Entwurf
P-03 Mini-Wahrnehmungstest Publikum (Kennzeichnung) H1 Kurzbefragung [n=…] geplant

5. Impuls- & Empfehlungs-Log (setzt Kooperation voraus)

Was die Fellowship ins Projekt einspeist. Bewusst kein Entscheidungs-Log: der/die Fellow gibt Impulse, das Medienhaus entscheidet. Hier wird festgehalten, was eingebracht wurde und wie es aufgenommen wurde.

ID Datum Impuls / Empfehlung Evidenzbasis Adressat Aufnahme-Status Resultierende Projektentscheidung
I-01 01.07.2026 PESTEL/SWOT/TOWS als Struktur fürs Strategie-Sparring plus Faktoren-Landkarte (Top-Treiber markiert) A-04 / Seite 3a Sparring eingebracht → D-…
I-02 01.07.2026 Multi-Modell-/Fallback-Architektur als Resilienzprinzip (H6): Anbieter-Kontinuität regeln, keine kritische Single-Vendor-Abhängigkeit H6 / Seite 3a Sparring / GF eingebracht → D-…
I-03 26.06.2026 Interviewleitfaden für die Anwenderrecherche A-03 / OKR PL / Redaktionen aufgegriffen → D-…
I-04 26.06.2026 Protokoll-, Auswertungs- und Clustering-Unterstützung für die Interviews (Nutzendencluster, 5×5-Matrix) A-03 PL eingebracht → D-…
I-05 03.07.2026 Stakeholder-Aktivierung: Champions als Multiplikatoren, HR/Onboarding als früher Kompetenz-Hebel, Kommunikation streuen (niedrigschwelliges Live-Format, Quartals-Newsletter, ki@-Funktionskonto) A-05 / Seite 3b Sparring / PL / HR eingebracht → D-…
I-06 15.07.2026 Rechtsteil der Recherche „Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte" gegen das eigene EU-AI-Act-Dossier austauschen: Verantwortungszurechnung statt Überarbeitungstiefe, Anbieter- und Betreiberebene trennen, vier konkrete Auslöser statt Generalklausel eu-ai-act.md / A-06 Sparring / PL / Recht eingebracht → D-…

6. Optionen-Bewertung & strategische Schritte

Unterstützt die Bewertung von Optionen und die Ableitung strategischer Schritte – als Entscheidungsvorlage, nicht als Entscheidung.

Beispiel: Grundform der Richtlinie

Kriterium (Gewicht) A, Prinzipienbasiert B, Regel-/Verbotskatalog C, Hybrid
Publikumsvertrauen
Rechtssicherheit
Praktikabilität Redaktion
Zukunftsfestigkeit
Bewertung (Fellow-Sicht)

Empfohlener strategischer Schritt: [Hypothese-gestützte Empfehlung] → als Impuls I-… eingebracht.


7. Erkenntnis- & Reflexionslog (Kern der Fellowship)

Eigener Lerngewinn – fachlich, methodisch, übertragbar. Getrennt von der Projekt-Retrospektive des Hauses. Periodisch (z. B. zweiwöchentlich).

Datum Erkenntnis (inhaltlich) Methodische Erkenntnis Übertragbar auf … Offene Frage
[TT.MM.]

8. Schnittstelle zum Pilotprojekt (setzt Kooperation voraus)

Wie der Use Case genutzt wird, und wovon die Fellowship abhängt bzw. nicht.

Inputs aus dem Projekt (verlinkt, nicht gepflegt): Projekt-Charter, Stakeholder-Board, Risk Backlog und Phasenplan der Mediengruppe Mitteldeutschland → Links im Projekt-Space.

Phasenplan (Snapshot vom Kickoff 26.06.2026, Live-Status im Projekt-Space):

Meilenstein Inhalt Termin
M0 Projekt gestartet (Charter, Setup, Stakeholder-Mapping) 26.06.2026
M1 Leitplanken abgestimmt 24.07.2026
M2 Erste Entwürfe (Richtlinie und Kompetenzschulung) 18.08.2026
M3 Freigabereif (konsolidierter Entwurf v1.0, erster Prototyp) 29.09.2026
M4 In Kraft (Kompetenzschulung als MVP+) 20.10.2026

Vorgehen: Das Projekt folgt einem Design-Thinking-Rahmen. Die Analysephase mit Anwenderinterviews läuft bis Juli, die Ideation mündet im August in einen Workshop vor Ort, darauf folgen ein Prototyp im September und ein MVP im Oktober.

Outputs in das Projekt: Impulse und Empfehlungen (Seite 5), Optionsbewertungen (Seite 6) und die PESTEL/SWOT-Struktur (Seite 3a).

Abstimmung mit MM: fester wöchentlicher Check-in mit Anja Guse, der Führungskraft der Mediengruppe Mitteldeutschland und Sparring-Partnerin im Fellowship; Teilnahme an den Strategie-Sparrings als Impulsgeber, nicht als Moderation oder Leitung; Prioritäts-Reviews alle zwei bis drei Wochen; Tasksteuerung des Hauses über Jira.

Nächster Andockpunkt: M1 „Leitplanken abgestimmt" (24.07.2026). Die Synthese aus PESTEL/SWOT (Seite 3a) und der Anwenderrecherche (A-03) speist die Leitplanken.

Fortführung bei Wegfall der Kooperation: Die Seiten 2/3/4/6/7 laufen eigenständig weiter, der Use Case wird generalisiert; die Seiten 5 und 8 werden ausgesetzt.


Rolle im Projektgefüge (Einordnung)

Rolle (aus dem Lean-IPMA-Setup) Träger
Projektleitung (Steuerung, Außenkommunikation) Medienhaus
Produktverantwortung (Nutzerzentrierung, Priorisierung) Medienhaus
Delivery/Umsetzung (Technik, UX, Content) Medienhaus
Coaching / Advisory + unabhängige Forschung Fellow

Dokumentations- & Methoden-Mapping

Die operative IPMA/PMI-Struktur bleibt beim Projekt-Space des Medienhauses. Die Fellowship trägt mit methodisch sauberer Evidenz zu einzelnen Kompetenzfeldern bei.

Fellowship-Artefakt Speist welches Projekt-Kompetenzfeld? IPMA/PMI-Bezug
2 Hypothesen-Backlog Risiken & Chancen, Strategie Risk / Strategy
3 Research-Log Anforderungen, Kontext Requirements / Context
4 Prototypen Lösungsdesign, Qualität Design / Quality
5 Impuls-Log Steuerung (als Input) Stakeholder / Integration
6 Optionsbewertung Entscheidungsvorbereitung Decision Support
7 Reflexionslog Lernen Lessons Learned (individuell)

Lean-Prinzip bleibt: jeweils ein lebendes, digitales Artefakt statt Dokumentenstapel – hier zugeschnitten auf eine forschende, beratende Rolle.