3b Stakeholder- & Akteurs-Landkarte: systemische Aufstellung

Einordnung: Unterseite zum Research-Log (Analyse A-05), Schwester zur PESTEL/SWOT-Analyse. PESTEL fragt was von außen wirkt; diese Seite fragt wer. Sie speist den Hypothesen-Backlog, mit H5 (frühe BR-Einbindung) und H7 (KI ↔ Unternehmensziele), das Impuls-Log (Impuls I-05) und die Schnittstelle.

Was diese Seite ist, und was nicht: Dies ist die analytische Akteurs-Landkarte der/des Fellow, eine Linse für die eigene Arbeit: wo hole ich Evidenz, wohin speise ich Impulse. Es ist nicht das operative Stakeholder-Board des Hauses (Steuerung, RACI, Betriebsrats-Abstimmung). Das lebt im Projekt-Space der Mediengruppe Mitteldeutschland und ist in der Schnittstelle zum Projekt nur verlinkt. Diese Landkarte speist dieses Board, sie ersetzt es nicht.

Anonymisierung: Nur generische Rollen.

Anlass (03.07.2026): 1:1-Coaching (Sparring + Coach). Die Stakeholder waren gelistet, aber nicht klassifiziert; der Auftrag: „einmal genau aufstellen, wie wir uns für das Projekt systemisch aufstellen." Diese Seite ist die Ausarbeitung dieses Impulses.


1 Die vier Aspekt-Achsen (aus dem Coaching)

Kern der „aspektorientierten" Landkarte. Jede Rolle wird entlang vier Fragen gelesen: nach Funktion im System, unabhängig von der Hierarchie.

# Achse Leitfrage Blickrichtung
A Zuarbeit → uns Wo brauchen wir Zuarbeit, Evidenz, Impulse herein? Evidenzquelle
B Impuls → dorthin Wo speisen wir Impulse hinein? (Aufträge/Weisung bleiben Sache des Hauses) Impuls-Adressat
C Kommunikation Wer ist für Vernetzung & Streuung notwendig? Kanal / Multiplikator
D Entscheidung Wer ist für die Entscheidungsfindung wichtig? Entscheidungsgewicht

2 Akteure (generische Rollen)

Wer im und ums Projekt steht, mit Bezug zur Fellow-Arbeit. Rollen, keine Personen.

Rolle Kurzcharakter Bezug zur Fellow-Arbeit
Sponsor:in / Führungskraft (Projekt-Owner im Haus) Trägt das Projekt intern, „weitestgehend freie Hand" Haupt-Sparringpartner:in; gemeinsame Dokumentation; erster Impuls-Adressat
Geschäftsführung (GF) Oberste Entscheidungsebene; braucht „genauen Fahrplan"; Überzeugungsarbeit für Regularien nötig Adressat verdichteter Optionen/Empfehlungen; entscheidet über Leitplanken
KI-Champions / Champion-Gremium Freiwillige Multiplikator:innen, „andere sprechen für uns"; „Ohr am Puls" Evidenzquelle und Kommunikationsmultiplikator; gehören in Workshops & Lunch-&-Learn
Redaktionen (Themenmanagement, Reporter:innen, Producer:innen, Digitaleinheit) Kern-Zielgruppe & Haupt-Nutzer:innen der KI-Kompetenz Primäre Evidenzquelle (Anwenderrecherche A-03); Fokusgruppe der Lösung
Verwaltung Sekundäre Nutzer:innen (Addon-Zielgruppe) Evidenz-Randgruppe; später in der Kompetenzschulung
Personalstelle / HR Onboarding, Einstellung, Personalentwicklung Früher Kompetenz-Hebel: KI-Erfahrung schon bei Einstellung; Nudging/Trainingsimpulse
Betriebsrat (BR) Mitbestimmung, Beschäftigteninteressen Frühe Einbindung als Beschleuniger (H5); Ansprechpartner für die Tracking-Frage
Recht / Datenschutz (DSB) Rechtssicherheit, Freigaben, DPAs Prüf-Instanz für Leitplanken (DSGVO, UrhG, Presserecht, s. Umfeld-Analyse (PESTEL/SWOT), Legal)
Publikum (extern) Empfänger der Inhalte; letzte Vertrauensinstanz Kein interner Akteur, aber Ziel-Instanz jeder Transparenzregel, H1 (Kennzeichnung)

Eigene Ebene (nicht Haus): Coach & Fellowship-Kohorte stützen die Methodik der/des Fellow (Reflexion, Sparring), sie speisen den Reflexionslog, stehen aber nicht auf der Projekt-Landkarte des Hauses.


3 Aspekt-Raster: Rollen × vier Achsen

Intensität: ● stark, ◐ mittel, ○ gering/keine. Die Notiz sagt wofür.

Rolle A, Zuarbeit → uns B, Impuls → dorthin C, Kommunikation D, Entscheidung
Sponsor:in / Führungskraft ● Kontext, Türöffner ● Optionen & Impulse ● interne Verankerung ● hoch (im Haus)
Geschäftsführung (GF) ◐ Ziele, Wertekompass ● Fahrplan & Empfehlung ◐ Rückhalt/Mandat ● final (Leitplanken)
KI-Champions ● Praxis-Signal, „Ohr am Puls" ◐ Aktivierung, Befähigung ● Multiplikator:innen ◐ Meinungsbildung
Redaktionen ● Ist-Nutzung (Anwenderrecherche), Bedarfe ◐ Leitplanken, Schulung ◐ Reichweite in die Fläche ◐ Akzeptanz entscheidet Tragfähigkeit
Verwaltung ◐ Randbedarfe ○ (später)
Personalstelle / HR ◐ KI-Erfahrung neuer MA ● Onboarding-/Nudging-Impuls ◐ Regel-Kanal
Betriebsrat (BR) ◐ Bedenken, Mitbestimmungsbedarf ◐ frühe Einbindung (H5) ◐ Legitimation ● Mitbestimmung (Veto-Nähe)
Recht / DSB ◐ rechtliche Grenzen ◐ Freigabe-Fragen ● für Rechtssicherheit
Publikum (extern) ○ (indirekt: Wahrnehmungstest P-03) ● Adressat der Transparenz ○ (aber letzte Legitimationsinstanz)

(→ Research-Log). Wo B stark ist, entsteht ein Impuls (→ Impuls-Log). C und D sind das operative Feld des Hauses: hier liefert die Landkarte, sie steuert nicht.


4 Einfluss × Interesse: Engagement-Priorität

Klassisches Raster als zweite Linse (Analyse, die das operative Board des Hauses speist, kein Steuerungsanspruch der/des Fellow). „Engagement" meint hier die Intensität der Evidenz-/Impuls-Beziehung, nicht Weisung.

Geringeres Interesse (heute) Hohes Interesse
Hoher Einfluss Gewinnen & zufriedenstellen: BR, Recht/DSB, früh einbinden, damit sie nicht spät bremsen Eng einbinden: Sponsor:in/Führungskraft, GF, Kern der Entscheidung & des Rückhalts
Geringerer Einfluss Informiert halten: Verwaltung, breite Belegschaft Aktiv beteiligen (Multiplikatoren): KI-Champions, Redaktionen, tragen das Projekt in die Fläche

Kern-Ableitungen:

  • Champions & Redaktionen sind hohes Interesse, wachsender Einfluss: die Multiplikator:innen. Sie gehören auf die Karte (Coaching-Impuls) und in die Workshops.
  • BR & Recht/DSB sind hoher Einfluss: Bedenken früh abholen (H5: Mitbestimmung als Beschleuniger, nicht Bremse).
  • GF ist hoher Einfluss, Interesse muss aktiv genährt werden → deshalb der „genaue Fahrplan" und die Frage H7 (zahlt KI auf die Unternehmensziele ein?).

5 Kommunikations-Kanäle & Kadenz

Coaching-Prinzip: Aktivitäten streuen, damit eine langfristige Kommunikation mit Regelmäßigkeit und Mehrwert entsteht. Eine Einzelaktion reicht dafür nicht. Die Kanäle gehören dem Haus; Fellow speist Impulse ein und liest Signal.

Kanal Zweck Kadenz Aspekt
Check-in Donnerstags 08:00 Impuls & Planung (fester Andockpunkt) wöchentlich B, D
Strategie-Sparring Impulse als Impulsgeber:in einbringen alle 2–3 Wochen B, D
Niedrigschwelliges Online-Live-Format niedrigschwellig mitnehmen, Angstabbau laufend/freiwillig C
Quartals-Newsletter Information mit Mehrwert & Regelmäßigkeit quartalsweise C
Teams-Mitteilungen schnelle Reichweite in die Fläche laufend C
ki@…-Funktionskonto bidirektionaler Kontakt, Rückkanal laufend A, C
Lunch-&-Learn / Champion-Gremium Befähigung, regulatorisch am Ball bleiben, Fahrplan-Impulse für die GF periodisch A, C

Wertekompass: Das Haus hat einen Wertekompass etabliert. KI muss dort „Einfluss finden", bidirektional: die Richtlinie zahlt auf die Werte ein, die Werte rahmen die Richtlinie. Das ist der Kern der neuen Hypothese H7 (KI ↔ Unternehmensziele).


6 Abgeleitete Impulse & offene Fragen

Impulse (→ Impuls-Log, Entscheidung bleibt bei der Mediengruppe Mitteldeutschland):

  • Champions aktivieren: auf die Stakeholder-Karte, in Workshops und Lunch-&-Learn einbinden; sie sind Multiplikator:innen und Frühwarnsystem.
  • HR/Onboarding als frühen Hebel nutzen: KI-Erfahrung schon bei Einstellung erfassen; wiederkehrende kleine Trainingsimpulse (Nudging) statt Einmal-Schulung.
  • Kommunikation streuen: niedrigschwelliges Online-Live-Format, Quartals-Newsletter (mit Mehrwert), ki@-Funktionskonto als bidirektionalen Rückkanal bewusst bespielen. → gebündelt als Impuls I-05.

Offene Fragen (bewusst nicht entschieden, Fellow-Rolle):

  • Tracking von Lern-/Nutzungsfortschritt: ja/nein? Spannungsfeld Motivation ↔ Mitbestimmung/DSGVO → mit Betriebsrat & Datenschutz klären, nicht im Alleingang.
  • Wer nimmt am Design-Thinking-Workshop teil (Redaktionen, Geschäftsführung, Recht/Datenschutz, Betriebsrat)? → offene Frage aus dem Übergang zum Design-Thinking; diese Karte liefert die Kandidat:innen.
  • KI in der Leitungsebene (sub-C-/C-Level) noch nicht eingebunden: eigener blinder Fleck.

7 Verweise

  • Hypothesen: H5 (BR-Einbindung), H7 (Wertekompass/Unternehmensziele)
  • Research-Log: Eintrag A-05 (Stakeholder-Analyse); Nutzer-Evidenz A-03 (Anwenderrecherche)
  • Impuls-Log: I-05 (Stakeholder-Aktivierung)
  • Umfeld-Analyse: PESTEL/SWOT (das Was zu diesem Wer)
  • Übergang & Workshop-Teilnehmende: Übergang zum Design-Thinking
  • Operatives Board des Hauses (verlinkt, nicht gepflegt): Schnittstelle zum Projekt

Fellow-Rolle: Diese Landkarte ist Analyse und Impuls. Die Steuerung der Stakeholder, wer wann wie eingebunden wird, bleibt beim Medienhaus.